Herrad Schenk

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In der Badewanne

Ein Badeunfall und seine Folgen: Herrad Schenk erzählt von einer reifen Frau und ihrer charmanten Unreife
Es beginnt mit einer Ungeschicklichkeit und mündet in die größtmögliche Peinlichkeit: Die leidenschaftliche Wannenbaderin Ulrike Reimer, Ende Fünfzig, Journalistin, wieder Single, rutscht in der Badewanne aus und kann nicht mehr heraus. Und während sie auf Rettung durch ihre Putzfrau wartet, zieht ihr Leben an ihr vorbei.
Die Lage ist misslich, aber nicht hoffnungslos: Beim Versuch, einen genauen Blick auf ihren Nachbarn zu erhaschen, der seine Yogaübungen nackt auf dem Balkon absolviert, hat Ulrike Reimer die Belastbarkeit ihres Badezimmerregals überschätzt und das schwere Möbel mitsamt ihren Lieblingsbüchern in die Wanne gerissen. Nun ist sie eingeklemmt, lässt ab und zu warmes Wasser nachlaufen und muss diese lange Nacht überstehen.
Sie blickt zurück auf ein wild bewegtes Frauenleben zwischen Wohngemeinschaften und Hörsälen, Haupt- und Nebenbeziehungen, eheähnlichen Verhältnissen und ehebrecherischen Affären, großer Liebe und tiefen Enttäuschungen.
Das Bindeglied zwischen Lebensstationen und -gefährten sind die Badewannen, von der gusseisernen im Elternhaus über die gemeinschaftlich genutzte Studentenwohnheimwanne, die erste eigene in der mühsam finanzierten Einzimmerwohnung, diverse Hotelwannen und die, die sie mit ihrer großen Liebe teilte. Und während so das Panorama eines ganzen Lebens entsteht, spitzt sich die Lage zu, denn die Putzfrau kommt nicht …
Herrad Schenk zeigt auf äußerst unterhaltsame Weise eine Frau von heute, die gelernt hat, sich im Leben einzurichten, ohne ihre Träume zu begraben, und immer noch hofft, ihr Glück zu finden. Angetreten mit dem Anspruch, sich zu emanzipieren und die Gesellschaft zu verändern, fördert die Rückschau große Illusionen und kleine Lebenslügen zutage und zeigt die Widersprüche einer ganzen Generation: Gesellschaftliche Utopie und privates Glück, Unabhängigkeit und Sehnsucht nach Zweisamkeit sind nicht leicht zusammenzubringen.

»Da sitzt du nun fest in deiner geliebten Badewanne!, sage ich mir. Hätte ich auf Hille gehört, wäre ich jetzt nicht in dieser Lage.
 Badewannen sind überholt, hatte sie erklärt, als ich das Bad renovieren ließ, und mir empfohlen, stattdessen eine Dusche einzubauen. Das spart Platz - und wer badet heute noch?
 Ich! Ich will baden!«


Auch als Hörbuch erhältlich.

Auch als eBook erhältlich.